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Tansania: Wir sind am Tanganjikasee
Na, schonmal gehört..? Geografische Superlativen, sind für Weltreisende ja oft das Salz in der Suppe und das gilt natürlich auch für uns, und genau deshalb hauen wir heute mal einen absoluten Kracher raus. Wir stehen hier am touristisch kaum erschlossenen Ostufer des Tanganjikasees, soweit so unspektakulär. Drehen wir die Zeit
aber mal ein paar Millionen Jahre vor, dann stehen wir hier eventuell nicht mehr am Ostufer eines Sees, sondern am Westufer eines neuen Kontinents und schauen auf einen neuen Ozean! Genau, wir sind hier am "Großen Afrikanischen Grabenbruch" dem Naturwunder schlechthin, sowohl geologisch, wie biologisch und auch historisch gesehen. Hier zerbricht Afrika gerade in zwei Teile, die Somaliaplatte entfernt sich messbar von der Afrikanischen Platte. Dadurch entstehen riesige Seen, wie eben der Tanganjikasee. Er ist der zweitgrößte See in Afrika [Etwa 60x so groß wie der Bodensee] und nach dem Baikalsee der zweittiefste See der Welt [1.470m und somit befindet sich hier auch der tiefste Punkt Afrikas: 696m unter Meeresspiegel]. Der See ist etwa 9-12 Mio. Jahre alt, weshalb ca.95-98% aller Fischarten hier endemisch sind. Die Evolution der Buntbarsche (Cichliden) gilt hier als biologisches Weltwunder, da sich hier aus nur wenigen Arten 240-250 neue Arten entwickelt haben... Ok, genug Theorie für heute...
Unser Wildcampspot, direkt am Steilufer, wo die Palmgeier patroulieren, ist ein Traum. Die Anreise gestaltete sich dagegen etwas abenteuerlich, als sich ein paar Dörfer hinter Mpanda, die Asphaltdecke urplötzlich in eine wilde Piste verwandelte. Außer einer handvoll Überlandbusse fährt hier niemand und schnell wird auch klar warum...
Ok, 150km "rough road" (das ist eine schlechte "dirt road") liegen nun vor uns, keine Ahnung, ob wir da mit unserem 2WD Seriensprinter durchkommen. Aber egal, wir nennen das Abenteuer und fahren los. Traumhafte, einsame Wildcampspots, kein Internet, nahezu null Verkehr, also genau unser Ding. Wir übernachten 2x auf den 150km, denn die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt hier bei etwa 15-20km/h
Aber das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss...
Etwa 25km vor Uvinza [ab hier ist dann wieder Asphalt] staubt es vor uns und es kommt kurzfristig etwas Endzeitstimmung auf als ein LKW gefolgt von zwei Männern wie aus dem Nichts vor uns aus einer Staubwolke auftauchen. Wir fahren links ran und warten. Der LKW kämpft sich mühevoll durch eine tiefe Staub-/Sandpassage. Die Spuren verraten eindeutig, dass er länger gekämpft hat, bis er letztendlich durch war
Er bedankt sich fürs Warten und grinst ein wenig hämisch...
Dann sind wir dran und alle drei schauen uns hinterher... Ach du Sch...
Schnell noch das ASR deaktiviert und die Drehzahl auf 3.000U/min katapultiert. Luftdruck ist ohnehin schon etwas abgesenkt und dann heisst es mal wieder "durchprügeln". Der Sand/Staub ist teilweise 20-30cm tief aber es geht zum Glück leicht bergab. Wir suchen kramphaft nach einer Linie, einer Spur der wir folgen können aber der LKW hat alles zerpflügt, um selbst irgendwie da durchzukommen
Unser Stoßfänger wird zum Pflug während die Antriebsräder verzweifelt nach Grip suchen. Unser Kübler bricht aus, rechts, links, gegensteuern. Bloß nicht in den Graben rutschen, teilweise stehen wir komplett quer zur Fahrbahn, die Räder drehen und das ESP regelt sich schwindelig. Dafür wurde das Fahrzeug definitiv nicht gebaut und trotzdem wühlt er sich irgendwie durch. Im Rückspiegel sehen wir nur noch Staub und vor uns tiefe Furchen. Querfahren ist für mich kein Problem, das habe ich zigfach auf allen Untergründen mit allen erdenklichen Fahrzeugen oftgenug praktiziert. Dennoch ist es hier was anderes, denn mann sieht halt nix. Ratzfatz knallt man da irgendwo dagegen oder sitzt auf. "Blindflug" nennt man sowas in Fachkreisen
Dann sind wir durch, ganz ohne Schaden und ohne steckenbleiben, puh
Seriensprinter/Sommerreifen! Nur mal so fürs Protokoll
#abenteuer #campervan #tansania #africa #tanganjikasee #reisen #overlander #Weltreise
In Mpika verlassen wir die Transitstrecke T2 und fahren die letzten 405km auf einer kaum befahrenen Nebenstrecke zu einem kleinen abgelegenen Grenzposten in Richtung Tansania. Das Visa hätten wir eigentlich längst online beantragen müssen, aber wir sind da ja eher "old-school-traveller" und hoffen auf ein Visa on arrival. Ob das funktioniert und ob wir hier unser CDP gestempelt bekommen, wissen wir nicht. Wir entscheiden uns ja meist für kleine, abgelegene Grenzen, auch wenn wir jetzt einmal Pech hatten, sind wir weiterhin davon überzeugt, dass es dort eigentlich immer einfacher ist und man irgendwie immer eine Lösung findet. Unser letzter Wildcampspot in Sambia ist ein Traum und so fahren wir guter Dinge die letzten 120km auf dem "Pothole-Highway" in rund 3h bis zur Grenze, die letzten 25km davon auf Pisten.
Exit: Ausser uns ist hier kein Mensch, Pässe und CDP ausstempeln fertig, keine 10min
Entry: Auch hier nix los. Pässe abgeben 2x US$50 Visa-Gebühr bezahlen und dann ca 20min. warten, bis die sehr netten Immigration Officers für uns die Visaformalitäten erledigen, fertig
Dann Gelbfieber-Impfung vorzeigen, weiter zum CDP Stempeln und das TIP ausstellen. Das ist in Tansania irgendwie eine Besonderheit, man braucht trotz CDP noch ein TIP. Beim Bezahlen hatte der Customs Officer einen kurzen Versuch gestartet seinem Geldwechsler-Coussin ein Geschäft zu zustecken, welches wir aber sofort im Keim erstickt haben. Wenn US$ auf der Rechnung steht, dann zahlen wir auch in US$ und wechseln nicht erst die US$ in Schilling um, um sie dann in mobile money zu transferieren und dabei am Ende das Doppelte zu bezahlen
Netter Versuch. Solche Kleinigkeiten gehören zum Reisealltag und erheitern uns eher, als das sie uns ärgern. Alles in allem war es einer der entspanntesten Grenzübertritte
Wir sind in Tansania
und nach weiteren 50 Pistenkilometern erreichen wir auch wieder die Asphaltdecke. Diese hält nur nicht allzu lange an, dann folgen weitere rund 90km staubige Wellblechpiste durch den Katavi Nationalpark. Ein LKW nach dem anderen brettert hier, begleitet von riesigen Staubwolken, durch
Aber wir wissen uns natürlich zu helfen und bremsen sie ein, ansonsten riskiert man seine Windschutzscheibe und kann den Luftfilter direkt wechseln. Dann hatte einer der LKW-Fahrer eine tolle Idee, er versuchte zu wenden und hat mit seinem Auflieger die Antriebsachse der Zugmaschine ausgehebelt
So stehen wir erstmal und warten, bis ein anderer LKW mit einem 5t. Spanngurt versucht den Auflieger wegzuziehen. Ja genau, was für eine brilliante Idee. Wer hätte es gedacht, der Spanngurt reißt 🤦 Also nimmt man mehrere Spanngurte und irgendwann können wir dann auch endlich wieder weiterfahren. In Afrika sollte man immer genug Zeit mitbringen, während man seine Uhr getrost zu Hause lassen kann. "Hakuna Matata" lautet hier in
das Motto. Ob Tankwart, Versicherungs-Dame oder an den Checkpoints. Alle sind hier super entspannt. Kinder winken uns entlang der Starße zu und auch sonst läuft es bisher ganz gut und das darf auch gerne so bleiben...
Wir wünschen euch ebenfalls einen entspannten Sonntag
#abenteuer #campervan #tansania #africa #overlander #reisen #weltreise
Wir entscheiden uns für den kleinen Grenzübergang am Kariba See mit Blick auf und Fahrt über den Kariba-Staudamm. Auf Simbabwe Seite sind wir schnell durch, alles super entspannt und keine Wartezeiten. Mittagspause auf der Staumauer im Niemandsland und dann weiter nach Sambia. Auch hier keine Wartezeiten. Pässe stempeln, Carnet stempeln, Carbon Tax und Road Toll bezahlen fertig. Denkste, jetzt geht das richtig ab hier, sowas kann man sich nicht vorstellen. Am Gate werden wir von teilweise maskierten Beamten übelst bedrängt, beschimpft und beleidigt, Radkralle ans Auto und wir sind festgesetzt!!! Warum..? Wir hätten vorher zur Interpol müssen. Ok, wo ist das Problem? Dann sagt das halt 🤷
Es kommt noch beser, wir müssen mit eingestempelten Pässen zurück nach Simbabwe, abgewiesen! Interpol wollte unser CDP (internationales Zolldokument, was Interpol überhaupt nix angeht!!!) stempeln und eine Seite entfernen. Somit wäre unsere hinterlegte Bürgschaft in Höhe von €7.500,- weg!!! Das haben wir völlig zu Recht nicht zugelassen. Wir fahren zurück nach Simbabwe und sprechen dort mit dem ranghöchsten Beamten, der daraufhin sofort einen Minister anruft... Ich kürze jetzt mal 3,5h Diskussionen und eine Beschwerde bei der Antikorruptionsbehörde, unsererseits, ab. Wir sind Dank des Innenministers und einem Zollbeamten aus Simbabwe, sowie stundenlangen Erklärungen, wie ein CDP funktioniert und wer es stempeln darf und wer nicht (was die Border Post Managerin in Sambia bis heute noch nicht verstanden hat) pünktlich zum Sonnenuntergang in Sambia eingereist
Welcome to
Noch am Abend entscheiden wir uns auf dem schnellsten Weg durch Sambia nach Tansania zu fahren, 1.231km auf Transitstrecken
Mehrfach werden wir von der Polizei gestoppt. Zu schnell, überholt trotz Überholverbot und ein Spurwechsel mit Blinker und Rückspiegel, mitten in der Hauptstadt, Lusaka. Das geht natürlich gar nicht! Sowas grinsen wir einfach weg
Tatsächlich haben wir keinen Cent bezahlt, egal wieviel Mühe sie sich auch gegeben haben. Sowas unterstützen wir einfach nicht, und länger als 5-10min hat es nie gedauert und wir konnten weiterfahren, mit Handschlag und einem Lächeln auf beiden Seiten
Lusaka, 4h Megastau, jeder versucht sich irgendwie durchzumogeln, aus der zweispurigen Straße werden 6 Spuren gemacht, ohne Blechkontakt geht das nicht
Wieder fahren wir bei Nacht, wieder suchen wir unseren Wildcampspot im Dunkeln. Nächster Tag, nächster Megastau und immer noch 996km Transit
Die Nerven ligen blank, seit über einer Stunde stehen wir in der Gluthitze, PKW's, LKW's und Überlandbusse drängeln sich auf beiden Seiten am Stau vorbei, nix geht mehr. Wir wenden und fahren auf staubigen Pisten um den Ort, geschafft. Die Straße, wenn man das hier so nennen möchte wird enger, der Seitenrand ist beidseitig abgefressen, teilweise mit einem etwa 15-25cm tiefem Absatz, dazu kommen Schlaglöcher in denen wir aufsitzen, wenn wir da durch rumpeln. Kommt einer entgegen, müssen beide anhalten und mindestens einer die Fahrbahn verlassen (Mautstraße!) Überlandbusse und LKW's denken nichtmal daran, die Fahrbahn zu verlassen, ausser es kommt ein LKW entgegen. Hier gelten andere Gestze, Polizei haben wir schon lange keine mehr gesehen. Es herrscht Anarchie, jeder fährt wie er will. Im Straßengraben liegen jede Menge umgekippte LKW und PKW's mit Totalschaden. Jeder fährt möglichst in der Mitte und gibt schon von weitem Lichthupe. Platz da! jetzt komm ich! Selbstverständlich fahren wir auch in die Mitte und geben Lichthupe, sonst kann man gleich rechts ranfahren und den Bus nehmen. Wer nachgibt hat verloren, wer zu spät ausweicht ebenfalls! Überholen wird zur Gratwanderung, da die Straße eigentlich nur einspurig ist. Zweimal hupen und wenn etwa 5cm zum LKW und wenigstens der halbe Reifen, entlang des tiefen, abgefressenen Seitenrand, noch auf Asphalt rollt, dann hat man Glück gehabt. Ok, an unserem nächsten Wildcampspot bleiben wir 2 Tage, müssen runterkommen, nach mehreren beinahe Crash's. Achso, hier fahren übrigens jede Menge Tanklastzüge, also Gefahrguttransporte
Nicht auszudenken, wenn sich da zwei Sturköpfe treffen oder einem die Seitenwand aufgerissen wird
Aber die Süßkartoffelpommes, die an den großen Schlaglochpasagen, wo jeder zwangsweise anhalten muss, verkauft werden sind lecker
Und unsere Wildcampspots sind ein Traum
Und dann entdecken wir eine Schlange im Auto, während der Fahrt
Also quasi eine Autoschlange
und eigentlich war sie auch gar nicht im Auto, aber der Aha-Effekt, wenn dich eine Schlange während der Fahrt durch die Windschutzscheibe anschaut ist der selbe
Das war irgendwie nicht unsere Woche...🤦🤦
#abenteuer #campervan #africa #simbabwe #sambia #karibaborder #overlander #reisen #potholes #transit #weltreise
Simbabwe: Es gibt Orte, da bezahlt man viel Geld um Wildlife zu sehen und dementsprechend ist dann auch eine gewisse Erwartung da, bzw. die Enttäuschung recht groß, wenn man nicht viel zu sehen bekommt. Und dann gibt es Orte, da geht man ohne große Erwartung hin und kommt aus dem Staunen einfach nicht mehr raus. Das Camp auf dem wir hier am Lake Kariba sind, ist so ein Ort. Hier haben wir gleich 70 verschiedene Tiere gesehen, fotografiert und eindeutig bestimmt. Dazu kommen noch Tierstimmen von Löwen, Hyänen und Elefanten unter den vielen uns unbekannten. Aber der Reihe nach. Das Camp gleicht eher einem verlassenen Workshop mit Tankstellen und Garagen. Alles ist etwas in die Jahre gekommen und sieht auf den ersten Blick nicht gerade einladend aus. Manch einer wäre jetzt vielleicht einfach weiter gefahren und auch wir haben kurz überlegt, ob wir hier wirklich ein paar Tage bleiben wollen. Wir sind hier die einzigen Camper und haben somit freie Platzwahl
Dann nehmen wir den Foto und gehen vor zur Landzunge. Überall flattert es und unsere Kameras klicken um die Wette. Auf einer Seite der Landzunge ist alles zugewachsen und mit jedem Knacken schreckt ein Krokodil auf und verschwindet im Wasser. Dann grunzt es erst rechts und dann links neben uns, ganz nah und dann taucht auch direkt vor uns ein Flusspferd auf und schaut uns an, keine 10m. OK, das ist definitiv zu nah, Rückzug! Dann knackt und grunzt es wieder und direkt vor uns steht eines auf, das haben wir einfach übersehen. Wieder keine 15m aber diesmal an Land. Wieder Rückzug! Ganz langsam und möglichst lautlos, doch dann schreckt schon das nächste Krokodil neben uns auf und flüchtet ins Wasser. Mittlerweile kommt ein wenig Jurassic-Park-Feeling auf
Hier gibt es eine der dichtesten und weltweit größten Populationen an wilden Nilkrokodilen. Schwimmen ist hier strengstens verboten, nur die Hinweise und Schilder fehlen, ebenso wie Zäune oder eine Info bei unserer Ankunft am Camp. OK, genug Abenteuer für heute. Am Abend sitzen wir wieder vor dem Campervan und lauschen den Tierstimmen. Dann kommen die Weißschwanzmangusten 🦨, die Zebras
und auch wieder ein paar Hippos
vorbei, wie jeden Abend. Aber heute verirrt sich eines und steht plötzlich direkt hinter uns
Auch auf dem Rückweg vom Waschhäuschen bemerke ich gerade noch rechtzeitig, dass der Schatten auf dem Weg vier Beine und ein ziemlich großes Maul hat
Ok, wieder Rückzug. Irgendwie sind die Tiere hier aber völlig entspannt, wenn man ihnen genug Raum lässt und sich ruhig und leise verhält. Am Ende blieben wir dann 5 ganze Tage hier, weil wir seit Beginn unserer Reise, vor etwa 3,5 Jahren, noch keinen vergleichbaren Ort gesehen haben, unglaublich! Achso, das Camp kostet keine €5,-/Person und Tag, im sonst relativ teuren Simbabwe
#abenteuer #campervan #Simbabwe #wildlife #LakeKariba #overlander #afrika #reisen #weltreise